Elektrik – Vorbereitung

Nach Abschluss der restlichen Installationen samt positiven Funktionstests wird es nun endlich Zeit für einen ausführlichen Beitrag zum Thema Elektrik: DAS Gewerk, auf das ich mich am meisten freute, weil es neben dem allseits bekannten Komfortplus durch angenehme Lichtgestaltung oder durchdacht positionierte Schalter, Steckdosen und Leerdosen auch die Vorbereitung für die größte Tekkie-Spielwiese darstellt, der Programmierung unseres Smarthomes (ein Gast letztens: „Geht echt das Licht draußen aus, wenn ich die Terrassentür schließe?“ – „Ja, und das Rollo fährt auch wieder runter“). So steckte der Tekkie des Hauses nach der Grundrissplanung am meisten Gehirnschmalz in dieses Gewerk. Außerdem muteten wir uns hier etwas Eigenleistung zu. Es ist auch das Gewerk, wo Freud und Leid sich immer wieder abwechselten. Da wir hierzu einiges berichten können und auch gelegentlich technische Nachfragen kommen holen wir ein wenig weiter aus und unterteilen den Beitrag in die Bereiche Vorbereitung, Durchführung, Nacharbeiten.

Beginnen wir also mit der Vorbereitung. Regulär erhält man eine gewisse Grundausstattung an Elektrik, die im Hauspreis inklusive ist (Auszug aus der BLB von Heinze & Partner vom 01.01.2016):

  • HWR 2 x Steckdose, 1 x WM, 1x Trockner, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter
  • Küche 2 x Doppelsteckdose, 4 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter, 1 x Herdanschluss, 1 x Spülmaschinenanschluss
  • Wohnen 4 x Doppelsteckdose, 2 x Deckenauslass mit Serienschalter
  • Schlafen/Kind/Gast 3 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter
  • Arbeit 3 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter
  • Ankleide 1 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter
  • Bad 2 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter, 1 x Wandauslass ohne Schalter
  • Gäste-WC 1 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Ausschalter, 1 x Wandauslass ohne Schalter
  • Eingang 1 x Wandauslass von innen mit Ausschalter
  • Diele 1 x Steckdose, 1 x Deckenauslass mit Wechselschalter
  • Treppenhaus 1 x Wand oder Deckenauslass mit Wechselschalter
  • Terrasse/Balkon 1 x Außensteckdose, 1 x Wandauslass (jeweils von innen mit Ausschalter)
  • TV 1 x SAT-TV Dose inkl. Leitung (ab HWR)
  • Telefon 1 x TAE- Dose oder ISDN-Dose inkl. Leitung (ab HWR)
  • Klingelanlage 1 x Taster, 1 x Gong
  • Rauchmelder 1 x je Schlafen und Kind sowie deren Fluchtwege (batteriebetriebene Einzelgeräte)

Erweiterungen sind gegen Aufpreis erhältlich. Ebenso Einsparungen gegen eine (zum Planungszeitpunkt unbekannte) Gutschrift. Wir konnten insgesamt drei Deckenauslässe einsparen. Das Inklusivangebot deckt hier unserer Ansicht nach dennoch kaum die Minimalanforderungen ab. Daher sollte man hier zur Sicherheit mindestens einen unteren vierstelligen Aufpreis einkalkulieren, denn der wird selbst bei kleineren Erweiterungswünschen erreicht. Wir landeten im mittleren vierstelligen Bereich – wohlgemerkt als Aufpreis zur Standardinstallation! Die Thematik wurde auch recht offenen in den Vorgesprächen gehandhabt. Auch unterscheiden sich die Bauunternehmen hier nicht sonderlich voneinander. Wohl aber in den Aufpreisen. Denn hier haben wir im Vorfeld unsere Favoriten vergleichen wollen und die Aufpreise beispielsweise für weitere Steckdosen angefragt. Es macht in Summe schließlich einen Unterschied, ob man für jede Extradose pauschal knapp 50 EUR (Heinze & Partner) oder knapp 20 EUR (Marco Friedrich) durch eine geschickte Paketpreisgestaltung bezahlt. Letzteres wurde auf Nachfrage von uns zwar angetriggert, bis zum Ende der Bauphase jedoch leider nicht umgesetzt.

An dieser Stelle können wir Interessenten nur empfehlen, diesbezüglich nachzuhaken und bereits bekannte Erweiterungen (bspw. Saunaanschluss – zw. 150 EUR und 450 EUR) im Vorhinein konkret bepreisen zu lassen, um der späteren „Aufpreisüberraschung“ etwas entgegenzuwirken. Denn ein später auszuhandelnder Rabatt auf Basis der aufsummierten, teuren Preise wirkt sich wohl meist weniger stark aus.

Zum Beispiel war uns nicht bewusst, dass Jalousietaster immer nur wenige Zentimeter rechts oder links vom Fenster platziert werden, eine Verlängerung zur Zimmereingangstür jedoch einen Aufpreis kostet. Bei 13 Rolläden kommt da einiges zusammen. Aufwändiger wird das Ganze auch noch, wenn man zwei oder mehr Rolläden im Zimmer zentral mit einem Taster steuern möchte.

Beide Probleme kann man elegant und preiswert mit Homematic Jalousietastern (HM-LC-Bl1PBU-FM) umgehen, die genau so funktionieren, wie normale, per Funk aber von beliebigen Homematic Sendern (bspw. HM-RC-2-PBU-FM) gesteuert werden können. Das kann ein zentraler Taster pro Zimmer oder/und Etage sein. Aber auch eine Zentrale (bspw. CCU2), die automatisiert abhängig von Sonnenstand, Helligkeit, Wind, Unwetterwarnung, Rauchalarm, Fensterstatus etc. die Jalousien steuern kann. Wer Fensterkontaktschalter in den Beschlägen hat und diese mit Homematic Wired Komponenten (HomeMatic 090057 Wired RS485) verkabeln möchte, sollte wegen des Platzbefarfs hier ebenfalls gleich Elektronikdosen verbauen lassen und ein Buskabel reinlegen. Mit dieser Kombination stehen einem alle Möglichkeiten einer Komfortprogrammierung offen. Tipp: der Mehrpreis für eine integrierte Kipperkennung ist durchaus empfehlenswert.

Allgemein ist zu Homematic zu sagen, dass die Geräte erprobt sind und selbst die Funkkomponenten bidirektional senden und bei entsprechender Konfiguration nicht manipulierbar sind, also fremdgeschaltet werden können. Der Hersteller eQ3 vertreibt die Produkte fast baugleich, aber teurer unter dem Namen Qivicon bzw. Magenta SmartHome über die Telekom.

Nach den Gesprächen mit den Damen und Herren von Heinze & Partner haben wir einen Termin mit dem Elektriker vereinbart, um weitere Details zu besprechen. Dieser Termin ist aus meiner Sicht sehr wichtig und sollte möglichst vor Vertragsunterzeichnung stattfinden. Denn wenn hier die Chemie nicht stimmt oder man mit all zu modernen Smarthomewünschen auf Gegenwind stößt, ist Frust vorprogrammiert oder sogar der Traum vom smarten Haus schnell ausgeträumt. Der von Heinze & Partner beauftragte Elektriker entgegnete unseren Wünschen – auch während der Bauphase – oft mit Bedenken, ließ sich schlussendlich aber dennoch meistens „überreden“. So akzeptierte er das von ihm bisher nicht verbaute Gira E2 Schalterprogramm, welches ausgezeichnet zu den Homematic 55er Schaltereinsätzen passt. Außerdem gibt es von Gira den genialen 4 fach Taster (Artikelnr. 014700), womit sich 4 Lampen(-kreise) an einem „Schalter“ bedienen lassen. Aus optischen Gründen haben wir für aller Taster die Ausführung als Tastschalter vereinbart. Diese kann man außerdem zu für Schaltaktoren notwendige richtige Taster und damit zu smarten Lichtschaltern umfunktionieren. Alles Dinge, die für den Elektriker neu waren, die er aber zu unserer Zufriedenheit berücksichtigt hat. Ebenfalls ohne viel Murren akzeptierte er zu diesem Zeitpunkt den Einbau unserer Homematic Jalousietaster anstelle der Busch-Jäger Standardtaster (samt Materialgutschrift) sowie den Deal, dass wir die vormals teuer bepreiste Verkabelung der Deckendosen selbst vornehmen und von ihm nur die Kabelenden zum Schalter bzw. Sicherungskasten anschließen lassen. Eine Zusammenarbeit also, die uns zufrieden stellen sollte.

Weitere Themen, die wir bei unserer Elektroplanung berücksichtigten:

  • Grundsätzliche Stromverkabelung 5 adrig (somit können jederzeit bspw. Lampenkreise separiert werden – was uns geholfen und den Elektrikern bzw. Heizungsbauern aufgrund einer Fehlplanung den A… gerettet hat)
  • Grundsätzlich tiefe Unterputzdosen (allgemein vereinfacht es die Verkabelung, aber auch ein Netzteil oder eine größere USB Steckdose finden dort Platz, oder ein Schaltaktor oder Arduino, oder oder oder)
  • Verbau von Elektronikdosen unterhalb der Lichtschalter (wie oben und außerdem zur Aufnahme von 230V Homematic Funktastern zur Steuerung der Homematic Jalousietaster zentral pro Geschoss und pro Zimmer oder für Displayschalter für beliebige Komfortfunktionen, wie Lichtszenen oder Musik)
  • Thermostate in tiefen Unterputzdosen inkl. 230 V (eigentlich Standard, aber nur so können die grützhässlichen Busch-Jäger Teile später günstig ausgetauscht werden)
  • Vorbereitung für Photovoltaik bzw. Leerohre in alle Etagen inkl. Dachboden (Leerrohre kann man aber genau so gut auch selbst verlegen, denn neben dem Abgasrohr der Heizung ist ausreichend Platz)
  • Stromversorgung außer Haus: Gartenhaus/Bewässerungsanlage, Klingel an Einfahrt, Starkstromkabel zu Carport/Garage für ein zukünftiges E-Auto
  • 1-2 Außensteckdosen mit kurzschlusssicherem Ausschalter (innen)
  • Steckdosen für Weihnachtsbeleuchtung in Fensterrahmen und Dachüberstand, auf der Abkofferung im Bad (für ein WLAN Radio), hinter/über dem Schlafzimmerschrank für Beleuchtungsanschlüsse, ggf. an Treppe für Treppenbeleuchtung
  • Netzwerkkabel zum Dachboden bzw. zur Antenne oder Schornstein (für bspw. Richtfunk)
  • Netzwerkkabel nach draußen bzw. als Wandauslass (für IP CAM)
  • Netzwerkkabel zum Klingeltaster (bspw. für eine Doorbird Klingel)
  • Lichtauslass für Hausnummernbeleuchtung (sonst ist die oftmals zu sehende Solarhausnummer angesagt)
  • Vorbereitung Taster und Auslass für Markise
  • In jede Zimmerecke Steckdosen (insbesondere, wenn bodentiefe Fenster dazwischen sind)
  • Deckenspots insb. bei einer Trockenbaudecke (OG oder Bungalow EG) einplanen: günstig, sieht toll aus und beschleunigt das Lampenkaufthema ungemein. Dazu besser die Decke ein paar Zentimeter tiefer abhängen lassen wegen Kühlung und ggf. Trafo
  • Deckenspots in Betondecke (EG): Die Position noch vor Baubeginn bestimmen, dann werden die Auslässe vom Betonwerk hergestellt und die Decke muss nicht  abgehängt werden (später wird sonst kaum jemand durch die Bewehrung bohren wollen)
  • Zentraler Endpunkt bspw. im HWR für 1-2 Antennenkabel, Telefonanschluss, Netzwerk-, Lautsprecher-, HDMI Kabel etc.: wenn nicht schon jetzt wird in wenigen Jahren sicherlich ein zentrales Serverelement alle Medien verteilen (Sat-over-IP etc.), außerdem kann man LAN Kabel für viele Übertragungsarten missbrauchen (Coax-Digitalkabel, Telefon/Faxkabel, Buskabel), daher am besten gleich Duplex Cat. 7 verlegen.
Handyladestation auf der Kücheninsel

Handyladestation auf der Kücheninsel

Netzteil in einer tiefen UP-Dose

Netzteil in einer tiefen UP-Dose

Einen Sack voll weiterer Themen, unter anderem auch zu den Außenlichtern (Achtung Wunschhöhe besprechen, sonst werden sie recht tief!) oder Bewegungsmeldern (evtl. besser 2 oder mehr), wird der Elektriker bei der späteren ca. 2 stündigen Vor-Ort Begehung abklopfen.

Die Baustromverbrauchskosten (mittlerer 2 stelliger Betrag) während der Rohbauphase übernimmt Heinze & Partner. Das heißt, bis zum Anschluss durch die Stadtwerke – und damit weit vor Fertigstellung des Hauses, also ohne die meist teure Estrichtrocknungsphase (siehe BLB). Auch die Bereitstellung/Miete des Baustromkastens muss von den Bauherren übernommen werden. Die Beauftragung erfolgte zur Bauanlaufberatung und kostete uns für einen Zeitraum von ca. 4 Monaten einen mittleren 3 stelligen Betrag.

Die Rechnung für das Gewerk Elektro haben wir in zwei Abschlägen bezahlt: nach Rohbaufertigstellung und nach endgültiger Fertigstellung.

3 Antworten zu “Elektrik – Vorbereitung

  1. Pingback: Kein Internet | Wir bauen eine Stadtvilla·

  2. Hallo 😊
    Mich würde ja noch das Ende interessieren!
    Wann war der Einzug? Gab es noch größere Probleme? Oder kleiner?
    Ich hoffe es lebt sich schön, im neuen eigenen Häusle? Alles Gute dafür!
    Liebe Grüße

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  3. Tatsächlich plagt uns schon ein schlechtes Gewissen, dass wir hier so lange nichts aktualisiert haben. Unser Familienzuwachs hat unsere Prioritäten ganz frech umgewürfelt und vermindert auch die Lust einer Retrospektive, da bin ich ehrlich.
    Aber auch durch Mails einiger Leser wissen wir, dass viele auf ein Fazit warten, ob wir wieder mit Heinze und Partner bauen würden, und welche Probleme es noch gab oder gibt.
    Daher gibt es definitiv noch einen ausführlichen Abschlussbeitrag. Demnächst. Versprochen.

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