Außenputz

Von allen Seiten unerwartet zieht sich das Gewerk „Außenputz“ in die Länge. Grund dafür ist eine recht große, von der Struktur her abweichende Fläche, die nach Demontage des Außengerüsts auf einmal sichtbar wurde.

Doch zunächst ein paar Infos, welche Möglichkeiten wir bei Heinze & Partner hinsichtlich der Wahl des Putzes hatten.

Beim Putz konnten wir wählen zwischen 2 mm (glatter) und 3 mm (rauer) Körnung. Vom Putzer wurde uns gesagt, dass man die Körnungen nicht herstellerübergreifend vergleichen kann. Das heißt, eine 2 mm Körnung von Hersteller A kann optisch manchmal auch mit einer 3 mm Körnung von Hersteller B verglichen werden. Und wie wir jetzt herausfanden, ist die Körnung sogar abhängig von der Charge eines Herstellers! Wir wollten einen möglichst glatten Putz, da dies recht schick und hochwertig wirkt. Allerdings hat dies auch Nachteile. Denn ein Putz ist im Ergebnis niemals 100% eben verarbeitet. Wie für den Innenputz gilt auch hier, dass Beulen und Dellen durch Streiflicht beim Taschenlampentest keinen Mangel darstellen. Man sollte sich daher bewusst sein, dass eine sehr nah an der Wand positionierte Außenlichtlampe im Dunkeln unschöne Schattenmuster erzeugen kann. Oder eine ungünstig scheinende Abendsonne:

Außernputz_Schatten

Außenputz bei tiefer Abendsonne

Ich habe länger überlegt, ob ich das Bild hier tatsächlich reinstelle. Denn dem beauftragten Putzunternehmen von Heinze & Partner bzw. Grune Bauprojekt, so wurde uns gesagt, kann hier kein Mangel vorgeworfen werden. Schon unser Maler hatte uns ausgiebig zum sensiblen Thema „Streiflicht“ aufgeklärt. Außerdem haben wir diese Sicht vermutlich nur in seltenen Momenten winterlicher Abendsonne, und die ganze restliche Zeit sieht der Putz schließlich ordentlich aus! Aber wir wollen nicht verschweigen, was „nach aktuellem Stand der Technik“ oder „nach den Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers“ im Einfamilienhausbau de facto bedeuten. So kann man diese Beulen bei vielen Häusern sehen, gerade wenn abends die Außenlichter an sind. Bei einigen Häusern scheint selbst am Tage ohne Streiflicht das Wärmedämmverbundsystem als Umriss durch. Manchmal sollte man besser nicht so genau hinsehen.

// Nachtrag am 30.05.2016

Nach Sichtung mehrerer Heinze & Partner Häuser haben wir nun festgestellt, dass es deutlich bessere, aber auch schlechter verputzte Fassaden gibt. Vermutlich ist hier wohl entscheidend, welches Team das Putzunternehmen gerade bei dem jeweiligen Haus abstellt – und vielleicht auch der Kaufpreis des Hauses. 

Der Nachteil von glattem Putz ist eine möglicherweise noch stärkere Sichtbarkeit dieser Dellen und Beulen. Außerdem sind Schmutznasen vom Regen möglich. Ein grober Putz bietet wiederum mehr Halt für Staub und Dreck und sieht aus unserer Sicht nicht so modern aus.

Bei den Farben ist ein Helligkeitsbezugswert (HZB) von 80 laut BLB inklusive. Das reicht für einen Hauch von Farbe, wobei die Intensität auch noch vom Hersteller und der Farbwahl abhängt. Wer mit seinem Außenputz farbliche Akzente setzen möchte, sollte hier mindestens noch einen hohen dreistelligen Betrag einplanen. Richtig intensive Farben benötigen eingearbeitete Pigmente, die die Sonne reflektieren (=teuer). Das kann so weit gehen, dass je nach Haus und Lage aus Hitzeschutzgründen derart dunkle Farben, wie bspw. Bordeauxrot, gar nicht möglich sind. Ein Kollege musste genau aus diesem Grund seine Wunschfarbe abhaken. Auch sehr dunkle Eingangstüren können sich im ungünstigen Fall so verziehen, dass man im Hochsommer Probleme bekommt, wie in der Nachbarschaft geschehen.

Auf einen mit mehreren hundert Euro aufpreispflichtigen Buntsteinputz im Sockelbereich des Hauses haben wir verzichtet. eine Schutzwirkung wäre auch nur rein optischer Natur. Wir haben kein weißes Haus. So werden wir Verschmutzungen hoffentlich nicht so schnell sehen.

Für uns war es sehr wichtig, unsere favorisierten Putzfarben einmal als größeres Muster als nur im kleinen Farbfächer sehen zu können. Die Zusammenarbeit mit den Magdeburger Malerfüchsen und der Magdeburger Farben und Lacke GmbH empfanden wir hier als vorbildlich. Alle unsere Fragen wurden entweder Vor-Ort oder telefonisch immer freundlich und zielführend geklärt.

Ein paar „Kleinigkeiten“ waren dann leider doch…

Zunächst war am Übergang von Fassade zum Dachüberstand zu erkennen, dass die geputzte Außenwand nicht wirklich gerade ist. Hier wurde nach unserer Reklamation noch einmal etwas nachgearbeitet, so dass es „dem vertraglich vereinbarten Standard entspricht“, wie Bauleiter G. immer so schön sagt. Im Ergebnis nicht perfekt, aber in Ordnung.

Wandabschluss (vorher)

Wandabschluss (vorher)

Wandabschluss (nachher)

Wandabschluss (nachher)

 

// Nachtrag am 14.08.2020

Kleine Schock nach nun ein paar Jahren: der Putz wurde leider nicht fachmännisch aufgetragen, sondern der Dachkasten wurde einfach angestrichen. Guter Trick, nur leider sieht nun durch diverse Lücken zur Fassade diesen Pfusch. Nachdem bei uns in der Nachbarschaft 3 Häuser zum Teil vollständig neu verputzt wurden, werde ich mir wohl mal die Nummer vom Gutachter für Außenputz geben lassen.

Weiterhin wurde von unserem Bausachverständigen zwischen Mauer und Abbretterung eine Lücke moniert, welche zu einer schmutzigen Fassade führen kann. Auch das wurde anstandslos und zeitnah – soweit mir bekannt vom Dachdecker – ausgebessert.

Ein größeres Problem, welches zunächst etwas Rätselraten zur Ursache auslöste, ist ein unschönes Putzmuster an einer Seite des Hauses:

Putzfehler_org

Original

Putzfehler_bearbeitet

Übertrieben dargestellt

Wie wurde dieses Problem von unserem Bauunternehmen behandelt?

Noch bevor wir selbst es bemerkten, bekamen wir eine Mail von Bauleiter G., dass sich hierum ohne unser weiteres Zutun gekümmert wird. Da auch ein Materialfehler nicht auszuschließen ist, kam es hier später noch zu einem kleinen „Krisentreffen“ mit allerlei Personen inkl. Vertreter des Putzherstellers samt Probenentnahme. Auch wurde unser böser wärmedämmgefüllter Porotonstein unter Verdacht genommen. Nach anfänglicher Sorge, hier würde sich ein langwieriges Schuld hin- und herschieben anbahnen sowie der Vorabinfo, dass ein einfaches Überpinseln möglicherweise genügt, gibt es nach einigen Wochen „Bearbeitungszeit“ Stand heute nun ein konkretes, ordentliches Konzept zur Ausbesserung, welches auch nach Rücksprache mit unserem Bausachverständigen in Ordnung geht:

Die Hausseite mit der schadhaften Stelle wird komplett und bis zum Randbereich überputzt. Außerdem wird nach Herstellervorgabe ein neues Gewebe eingearbeitet (bis kurz vor den Randbereich). Außerdem werden alle Seiten des Hauses neu gestrichen. Insgesamt kommt so eine Schicht von max. 4 mm dazu. Inzwischen wurde schon begonnen, die Wand etwas abzuschleifen.

// Nachtrag am 14.08.2020

Wie wir am Mauerkasten gesehen haben, wurde das versprochene notwendige Gewebe nicht eingearbeitet, sondern es wurde nur drübergestrichen. Das erklärt auch, warum die gesamte Ausbesserungsaktion nur einen Tag gedauert hatte… Ob das eine fachmännische Ausbesserung darstellt, können wir selbst nicht beurteilen, versprochen wurde jedoch etwas anderes. 

Hintergrund für unser merkwürdiges Musterproblem, das zunächst für einiges Rätselraten sorgte, war schließlich eine andere Charge des Putzes. Das hatten die Putzer leider nicht richtig mitbekommen. Normalerweise wird darauf geachtet, nur eine Charge zu verwenden. Notfalls mischen sie verschiedene Chargen, um ein einheitliches Gesamtbild zu bekommen. Dennoch ist die Abweichung alleine durch eine neue Charge viel zu stark, weshalb sich der Hersteller in der Pflicht sieht. Das heißt, er finanziert den gesamten Einsatz der Ausbesserung. Als Goodie erhalten wir nun eine coole Nanofarbe, die uns durch eine Art Lotuseffekt sämtlichen Schmutz per Gartenschlauch entfernen lassen wird.

Da dieses Problem anscheinend kein Planungs- und kein wirklicher Ausführungsfehler ist, alle Beteiligten den Fehler ohne Diskussion einsahen und eine zufriedenstellende Lösung herbeiführen wollen, gibt es von unserer Seite auch nichts zu meckern. So etwas kann einfach passieren. Wichtig ist für uns nun, dass das Ergebnis stimmt. Vermehrte Rissbildung ist durch die Ausbesserung wohl nicht zu erwarten, im Gegenteil. So müssen wir zwar nun die Arbeiten für die Regenwasserversickerung verschieben, können dafür aber in Ruhe einmal alle schwer zugänglichen Fenster putzen.

Nach Aussage von Herrn S. von den Malerfüchsen werden wir in 3 Wochen begeistert unsere neue Fassade bewundern. Wir sind gespannt!

// Nachtrag am 23.02.2016

Tatsächlich hat es keine 2 Wochen gedauert, bis das Gerüst wieder abgebaut wurde. Die Farbe sieht genau so aus, wie vorher – sehr schön. Das großflächige, fehlerhafte Muster ist nun weg – sehr schön. Die Haus- und Fensterecken sind zum Teil nicht ganz so schön geworden bzw. musste hier anschließend noch mit dickem Farbauftrag etwas kaschiert werden – wohl kein richtiger Mangel, aber schon etwas ärgerlich, da die Kanten vorher um einiges besser ausgeführt waren und aussahen. Aus der Nähe betrachtet sind außerdem viele Risse erkennbar. Hoffentlich bleibt da nicht erst recht der Schmutz hängen…

Fensterkante nach Ausbesserung

Fensterkante nach Ausbesserung

Hauskante nach Ausbesserung

Hauskante nach Ausbesserung

Außenputz vorher

Außenputz vorher

Außenputz nachher

Außenputz nachher

// Nachtrag am 29.03.2016

Gemeinsam mit unserem Baubegleiter haben wir entschieden, die aus unserer Sicht unschöne Fassade bei der Bauabnahme als Mangel anzuzeigen. Im Ergebnis kamen einige Tage später Herr S. vom Putzunternehmen und ein Herr vom Farbenhersteller Diessner zur Begutachtung. Wir kannten uns ja bereits von früheren Terminen. Da ich zufällig Vor-Ort war, konnten Sie mir gleich mitteilen, dass an der Fassade nichts auszusetzen sei und diese kleinen Risse grundsätzlich bei gestrichenen Fassaden auftreten. Auch eine Beeinträchtigung hinsichtlich der Schmutzhaftung sei ausgeschlossen. Alles Weitere müssten wir bei Bedarf über einen fachkundigen Gutachter auf unsere Kosten regeln.

// Nachtrag am 30.05.2016

Nach Gesprächen mit mehreren Malermeistern kommen wir zu der Erkenntnis, dass ein nachträglicher, einmaliger, dicker Farbauftrag über dem Rauputz aufgrund des Trocknungsprozesses physikalisch bedingt wohl oft mit einer feinen Rissbildung einhergeht. Soweit deckt sich das mit den Ausführungen von Heinze & Partner.

Allerdings hätte wohl genau dieses unerwünschte Verhalten durch einen mehrfachen Farbauftrag in entsprechender Viskosität vermieden werden können!

Abgesehen von der unschönen Optik und unseren oben geäußerten Bedenken hinsichtlich der Schmutzhaftung kommt noch hinzu, dass sich im Winter Wasser absetzen und gefrieren könnte – mit eventuell negativen Konsequenzen.

So haben wir uns die Ausbesserung des Schadens, die zu unserer vollsten Zufriedenheit versprochen wurde, nicht vorgestellt.

Da hierzu keine Einsicht von Heinze & Partner zu erwarten ist, werden wir nicht umhinkommen, Geld und weitere Zeit investieren zu müssen, um das Thema unabhängig bewerten zu lassen.

Ein weiterer Nachteil durch die Ausbesserung fiel uns zuletzt auf, als wir den falschen Klingeltaster endlich einmal austauschen wollten: die außen montierten Steckdosen und Klingeltaster wurden vor dem Farbauftrag nicht entfernt. Das führt nun dazu, dass wir den hässlichen und übergroßen Taster nun doch nicht so einfach durch ein kleineres, zur Serie passendes Modell austauschen können:

Aussenklingel

Aussenklingel

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