Bauabnahme

Dass die Zeit auf einmal schnell verstrich, merkten wir an der Einladung von Bauleiter G. zur förmlichen Bauabnahme. Sollte es in einer Woche wirklich soweit sein? Es müssen doch noch alle Türen rein, Fenster eingestellt (und grundgereinigt), Wasserspeicher und Solaranlage installiert und kleine Ausbesserungen vorgenommen werden. So wurde es in dieser Woche noch einmal richtig hektisch im Haus und die Gewerke Heizung, Elektro, Maler und Türbauer überschlugen sich regelrecht. Das Nachsehen hatte unser Maler, der nun um die eingebauten Türen herumstreichen musste, was man leider sieht. Tatsächlich war zum Abnahmetermin so gut wie alles fertig. Bis auf die Eingangstür, die in den falschen Maßen bestellt wurde und daher noch eine Weile provisorisch bleiben sollte. Eine Stunde vor Abnahme war der Fensterbautrupp sogar noch einmal am Fensterwischen, was unser Baugutachter Herr Merkel positiv bemerkte. Allerdings entstand anscheinend dabei eine unschöne, tiefe Schramme an einem Fensterglas im Kinderzimmer, welche wir akzeptieren mussten.

Aber schön der Reihe nach, wie lief das aufregende und gleichzeitig fast schon unerwartet entspannte Abnahmeprozedere ab?

Am Abnahmetermin waren dabei: Fensterbauer, Heizungs- und Sanitärfirma, Energiesachverständiger, Bauleiter, Geschäftsführung von Heinze & Partner. Und unser „neuer“ Baubegleiter, Michael Merkel, den wir zum einen aufgrund der vielen Empfehlungen, aber auch wegen der Verbindungen zu unserem Fliesenleger ins Boot holten. Das hatte bei den Kollegen von Heinze & Partner zunächst für etwas Verwirrung gesorgt (und wie wir später erfuhren auch Gespräche in mehrere Richtungen ausgelöst). Wir versprachen uns davon aber eine noch intensivere Begutachtung und Unterstützung insbesondere bei der finalen Hausabnahme. Bei einem gemeinsamen Vorabtermin führte Herr Merkel eine ausgiebige Besichtigung aller Innenräume durch, und auch während der Ausbesserungen am Außenputz war er spontan zugegen und machte sich ein Bild von der Ausführung, bevor das Gerüst abgebaut werden sollte. Die eigentliche Abnahme sollte dann nur 1-2 Stunden in Anspruch nehmen. Aber es kam natürlich anders.

Herr Merkel und wir Bauherren trafen uns vor dem Abnahmetermin, um noch ein paar Dinge zu besprechen und zu überprüfen. Beispielsweise die korrekt gelieferte Sicherheitsverglasung. Denn wir mussten im Vorfeld leider feststellen, dass zugesicherte Eigenschaften, wie die Fensterkipperkennung in den Beschlägen – trotz korrektem Lieferschein, den wir uns aushändigen ließen – fehlten. Dies wurde aber vom Fensterbauer fast anstandslos nachgerüstet. (Allerdings gab es hier leider ein grundsätzliches Verständnisproblem, was eine Kipperkennung überhaupt bedeutet)

Schon zu Beginn des Abnahmetermins jedoch versammelten wir uns mit dem angekündigten Energieberater, um uns sehr ausführlich die Thematik Luftwechselmindestrate erklären zu lassen. Mit dem Ziel, die laut BLB enthaltenen restlichen Fensterfalzlüfter sowie etwa 20 weitere kostenpflichtig installieren zu lassen. Irrsinnig langes Thema. Kurzversion: STOP! Wir möchten nicht unsere schön dichten Hauswände wie ein Käse durchlöchern lassen. Nachtrag: Zum Glück, wie wir nach knapp zwei Jahren nun wissen. Denn bei uns ist es sehr windig, und insbesondere der vom Werk verbaute Fensterfalzlüfter im Schlafzimmer nervt uns manchmal gewaltig. Ob die hohen Windstärken als Parameter in die Berechnung einflossen, wissen wir nicht. 

Da die endgültige Energieberechnung zu diesem Zeitpunkt aber nicht vorlag und daher nicht einmal klar war, wie viele Fensterfalzlüfter überhaupt verbaut werden müssen, haben wir es nicht zugelassen, dass unsere Fenstergummis einfach nur prophylaktisch zerschnitten werden. Somit landete das Thema als offener Punkt auf die Liste im Abnahmeprotokoll.

Nach gefühlt zwei Stunden gingen wir dann endlich zur Abnahme über und damit durch alle Räume, sahen uns noch einmal die Fenster und deren Rahmen innen und außen an und machten Fotos. Dabei entdeckten wir viele lila Farbanstriche an den Fensterfalzen außen sowie kleinere Kratzer und Löcher, die ebenfalls kaschiert wurden. Das war zum einen schon eine unschöne Überraschung und zum Anderen auch noch frustrierend, da der Fensterbauer nur mit den Schultern zuckte und spätestens bei dem tiefen Kratzer in der Scheibe sein Merkblatt mit den zu tolerierenden Mängeln aus der Tasche zog. Die stumpfen Schrammen an der Nebeneingangstür waren in den geforderten 3 Metern Entfernung für die Kollegen von Heinze & Partner ebenfalls nicht sichtbar…

Unser Umgang mit Einrichtung und Geräten ist grundsätzlich sorgsam und auf Langlebigkeit ausgelegt. Deshalb reagieren wir empfindlich darauf, wenn Materialien schon beim Kauf sichtbare Gebrauchsspuren aufweisen.

Selbst Herr Merkel konnte hier nicht mit einem Gegentrumpf aufwarten, da so nun einmal die Regeln sind. Wir hatten doch tatsächlich die fromme Vorstellung, dass es neben so manch für uns unrealistisch definierte Toleranzen wenigstens noch so etwas wie eine Handwerkerehre gibt, die ein sauber abgeliefertes Werk abverlangt, ohne Wenn und Aber. Bei einem ebenfalls bereits ausgebesserten großen Kratzer im Sichtbereich an der Eingangstür war unser Fensterbauer jedoch schnell einsichtig und bestellte eine neue Füllung.

Bei den Heiz- bzw. Solarrohren bemängelte Herr Merkel noch ein paar fehlende Isolierungen, die direkt ausgebessert wurden. Mir war ein weißer Plastikkanister auf dem Boden neben dem WW-Speicher aufgefallen. Ich dachte ja, der verschwindet noch. Dabei handelt es sich jedoch um ein Gefäß, welches in bestimmten Situationen Flüssigkeit aus der Anlage aufnehmen soll. Schön geht anders, aber so ist der Standard.

Dies hier soll nur eine grobe Sicht darauf geben, wie alle Beteiligten auf Mängel geschaut haben und wie diesen begegnet wurde. Sicher kann man überkritisch in jede noch so kleine Ecke gucken und etwas finden, wenn man will. Ein Hausbau ist ein komplexes Handwerk, das haben wir gelernt. Auch nach einem Jahr fallen uns immer mal wieder Kleinigkeiten auf, bei denen wir uns fragen, warum wir das nicht schon vorher gesehen haben. Aber das ist Meckern auf zum Teil sehr hohem Niveau. Das ist auch uns klar.

Am Schluss bemängelten wir gemeinsam mit Herrn Merkel noch ein großes Thema: der Außenputz, der nun nicht mehr so schön aussah, wie vor dem Neuanstrich. Dies wurde ohne Anerkennung eines Fehlers ins Protokoll aufgenommen (und dabei blieb es).

Das Abnahmeprotokoll umfasste insgesamt zwei ganze handschriftliche Seiten. Nicht alles haben wir hier aufgeführt. Im Großen und Ganzen war die Abnahme erwartungsgemäß positiv, auch wenn sich diese am Ende doch über 4-5 Stunden hinzog. So unterhielten wir uns im Anschluss noch freundlich, wurden samt einer kleinen Aufmerksamkeit als Hausherren beglückwünscht, während einige Handwerker noch Restarbeiten erledigten.

Wir können sagen, dass die Bauabnahme ein sehr schöner Moment ist, der das Ende des ganzen „Bautheaters“ einläutet. Denn nun stehen ja „nur“ noch Außenanlagen, Inneneinrichtung und Umzug an…

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